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Sagen aus der Umgebung
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Es wäre ja ein Wunder, wenn sich mit einem so geschichts- trächtigem Orte wie Dessau und Umgebung sich keine Sagen knüpfen sollte. 
Die Volkssagen wurzeln ihrem Stoffe wie ihrer Entstehungszeit nach fast durchweg in dem vom Zauber der romantik umsponnene Mittelalter. 
Da ich selber gern Sagen lese und erzählen lasse, möchte ich versuchen die wenigen die ich gefunden hab hier wieder zugeben.

 

Die weiße Frau vom Waldersee

Der letzte Graf von Waldersee wollte seine Tochter dem Ritter von Wildburg zur Frau geben. Kuno von Kühnau, ein böser Raubritter, der sie auch gern genommen hätte, war darüber neidisch und sann auf Rache.
In der Hochzeitsnacht machte er einen Scheinangriff auf die Burg Waldersee, der abgeschlagen wurde. Das aber hatte Kuno gerade gewollt. Er lag im Hinterhalt und überfiel, als Wildburg mit seinen Mannen die fliehenden Angreifer verfolgte, das verteidigungslose Schloss, mordete alle, die darin waren, auch den alten Grafen mit seiner Tochter, plünderte das Schloss aus, warf Feuerbrände hinein und jagte nach seinem im Sumpf liegenden Raubnest zurück. Wohl nahm Wildberg grimmig Rache, stürmte die Burg Kühnau, zerstörte sie und ließ Kuno mit seiner ganzen Bande aufknüpfen. Aber Ruhe fand er nicht, und der Gram um die ermordete Geliebte nagte ihm am Leben. Mit ihm erlosch sein Geschlecht.

Seither spukt die Dame vom Waldersee am hellen Tage.
Man sagt: "Mittags um 12 Uhr geht die Freifrau vom Waldersee im weißen Kleide über die Wälle und rasselt mit dem Schlüsselbund."

 

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Der Krötenring

Der Krötenring gehört zum Juwelenschatz des Herzoglichen Hauses Anhalt. Es ist ein altertümlicher Ring von etwas bleichem Golde, sehr breit, nach unten schmalzulaufend und dort offen. Die Steine darin sind drei roh geschliffene Diamanten, der mittlere viereckig, die beiden zur Seite dreieckig. Der Ring ist zweifellos ein Damenring und trägt die Spuren langjährigen Tragens. Seine Entstehungszeit dürfte in das 15. Jahrhundert zu legen sein. Er wird sehr sorgfältig aufbewahrt, seitdem einmal durch augenblicklichen Verlust desselben in der Tat ein Unglück geschehen sein soll - wie die Leute sagen.

Man erzählt,  dass vor vielen Jahren eine Fürstin zu Anhalt in der fürstlichen Residenz zu Dessau, als sie hochschwanger gewesen, zu Zeiten in ihrem Gemache allein gespeist, und nach getaner Mahlzeit die auf der Serviette gesammelten Brocken aus dem Fenster habe schütten lassen. Es hätte sich aber dabei allezeit eine ziemlich große Kröte unter dem Fenster gefunden und diese Brocken verzehrt. Einige Zeit hernach aber, als sie bei dunkler Nacht im Bette gelegen, wäre eine unbekannte Frauensperson mit einer Laterne in der Hand zu ihr vor das Bett gekommen und hätte zu ihr gesagt: Ihre Frau Kröte dankte sehr fleißig für die Brocken Brots, so sie unter ihrem, der Fürstin, Fenster genossen, und schickte ihr diesen Ring zur dankbaren Erkenntnis, welchen sie wohl bewahren und Sorge tragen möchte, dass er allezeit in diesem fürstlichen Hause bleibe, so würde es denen darin wohnenden von dem fürstlichen Hause Anhalt wohlergehen, und der Stamm nie aussterben. Man sollte auch alle Christnacht in diesem Schlosse fleißige Aufsicht auf das Feuer haben, weil dasselbe in solcher Nacht leichtlich in Brand geraten und ganz und gar abbrennen würde.

 

Quellenangabe:

"Die Dessauer Chronik" im Heft 1
Nach dem Original von 1924 aus dem Heimatbücher-Verlage 
von Bernhard Heese in die lateinische Druckschrift übertragen

© Funk Verlag Bernhard Hein e.K. 2003.